Mittwoch, 23. April 2025

Neugier ahoi – ein Tag auf Bygdøy Besuch des Fram-, Marine-, Kon-Tiki- und Holokaust-Museum

Kein Regen heute. Noch lange kein Schönwetterjubel, aber immerhin trocken. Ich nehme das Boot nach Bygdøy – dort war ich schon vor ein paar Tagen. Bei Sonnenschein. Wohlgemerkt.


Erste Station: das Fram-Museum. Ich muss gestehen, ich hatte noch nie von diesem Expeditionsschiff gehört – und das, obwohl ich mich nicht für vollkommen ungebildet halte. Die Fram war das Schiff, mit dem norwegische Entdecker wie Fridtjof Nansen, Otto Sverdrup und Roald Amundsen ins ewige Eis aufgebrochen sind. Das Schiff wird im Museum mit wechselnden Wetterkapriolen in Szene gesetzt – eindrucksvoll und dramatisch. Ich betrete das Innere – ja, man kann wirklich hineingehen – und spüre sofort die Enge, die Kälte, den Mut. Alles wirkt eingefroren in der Zeit. Es ist kaum vorstellbar, hier Monate oder gar Jahre zu verbringen. Ich bewundere den Mut. Ich hätte nur Angst. Meine Abenteuerlust hat die Größe eines Zwerges. Der Mantel des ewigen Eises legt sich auf meine Schultern.








Gleich daneben: das Norwegische MarinemuseumEin Haus mit Stil. Alte Gemälde, präzise Bootsmodelle, die Geschichten erzählen – von Küsten, Kämpfen und Kommandobrücken. Ich staune über die Detailliebe und merke, wie wenig ich über maritime Geschichte weiß. Robert und ich gehen flott durch die Räume – wir müssen mit unserer Energie haushalten, sonst schaffen wir die weiteren Programmpunkte nicht.

Weiter geht’s ins Kon-Tiki-Museum. Auch hier: völlige Bildungslücke meinerseits. Robert erzählt mir, dass sein Vater großes Interesse am Kon-Tiki-Projekt hatte. Thor Heyerdahl, ein norwegischer Abenteurer und Anthropologe, segelte 1947 auf einem Floß aus Balsaholz von Peru bis Polynesien. Über 8.000 Kilometer! Allein das zu lesen lässt mich frösteln – und dabei ist es heute nicht mal richtig kalt. Dieses Museum ist fast wie ein Abenteuerroman aus Holz, Seil und Salzwasser. Auch in diesem Haus stelle ich fest, Mut ist nicht mein zweiter Vorname.




Letzter Halt: das Holocaust-Zentrum in der Villa GrandeEin stiller, schwerer Ort. Kein Spektakel, keine Effekte – nur Fakten, Lebensgeschichten, Bilder. Hier geht es um norwegische Juden-Geschichte und Verantwortung. Ich lese viel, mehr als ich gedacht hätte. Und verlasse das Haus mit einem anderen Schritt – langsamer, bedachter. Ich hatte Norwegen nie mit den Nazis oder dem Holocaust in Verbindung gebracht. Sehr spannend. Und erschütternd.



Vier Museen an einem Tag – das klingt viel, und es war auch viel. Viel zu sehen, viel zu lernen, viel zu fühlen. Aber genau das liebe ich am Reisen: Man kann in eine Stadt eintauchen, sich treiben lassen – und am Ende des Tages ist man ein Stück reicher. An Wissen, an Eindrücken, an Gedanken.

Oslo hat mich nach den lehrreichen Stunden sogar mit ein wenig Sonne belohnt. Der Bus 30 bringt uns zurück. Ich setze mich auf die Terrasse und mache ein Nickerchen. Mein Hirn braucht Ruhe, um die vielen Eindrücke verarbeiten zu können.


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