Donnerstag, 24. April 2025

Oslo-, Vigeland und Ibsen-Museum: Wnn Museen ausschlafen und die Sonne schüchtern lächelt

Ein weiterer Tag in Oslo, ein weiterer Tag ohne Sonne am Morgen. Die Wettervorhersage lässt auf ein wenig Sonne am Nachmittag hoffen. Schau ma amal.

Um 11.00 Uhr oder gar erst um 12.00 Uhr ein Museum zu öffnen – ich finde das sehr spät. In Wien öffnen die Museen täglich außer Montag um 10.00 und schließen um 17.00 Uhr. In Oslo ist genug Zeit, um am Vormittag zu lesen und die Wäsche zu waschen.


Das Oslo Stadt-Museum öffnet seine Tore um 11.00 Uhr. Die Geschichte von Christiania – einst, heute Oslo – wird dort gut erklärt. Auf ruhige und charmante Weise wird die Stadtgeschichte erzählt. Keine große Inszenierung, aber viele kleine Details, liebevoll präsentiert. Ich gehe durch Stadtansichten, alte Pläne und persönliche Geschichten. Es vermittelt mir ein Gespür dafür, wie Oslo sich verändert hat und doch eine gewisse Bodenständigkeit bewahrt. Viele Kinder wuseln um mich herum. Sie lernen spielerisch mit Quizfragen und Präsentationen über ihre Stadt. Sie waren entzückend, die Kleinen.
















Was mir besonders im Oslo Stadtmuseum auffällt: Gebäude und Einrichtungen erinnern mich an Wien. Vertraut, fast heimelig. Besonders spannend finde ich die Geschichte der Einwanderung. Die ersten Siedler waren englische Mönche und deutsche Kaufleute, ein Bürgermeister stammte aus den Niederlanden. Es wirkt fast selbstverständlich – als wäre Zuwanderung schon immer Teil der Stadt gewesen. Sind Einwanderer also nicht etwas Neues, sondern eine Normalität? Gibt es keine Angst vor den "Fremden"? Ein schöner Gedanke – auch für Wien.

Trond Clausson, Bürgermeister (stammt aus den Niederlanden)


Im Anschluss geht es ins Vigeland-Museum. Nein, doch nicht. Die Sonne scheint! Robert und ich gehen nochmals durch den Vigelandpark und sehen uns die beeindruckenden Figuren in bestem Licht an. Ich war schon beim letzten Mal begeistert von den Skulpturen im Park – aber heute, mit Sonne: wunderbar.










Als sich die Sonne verzieht, gehen wir ins Museum. Es ist das ehemalige Atelier und Wohnhaus des Bildhauers. Ich habe selten einen nicht Italienischen Künstler kennen gelernt mit so viel Schwung in seinen Steinmenschen. Ich bekomme Einblick in seine Modelle, seine Skizzen, seine Werkstatt. Und plötzlich versteht man noch mehr: Diese Figuren kommen nicht aus dem Nichts, sie sind geboren aus innerem Ringen, aus Arbeit, aus Besessenheit. Ein Museum voller Leben aus Stein.










Ich bekomme Hunger. Der Plan war, das Ibsen-Museum zu besuchen – und ja, wir waren zur rechten Zeit dort: 15.22 Uhr. Um 16.00 Uhr wird geschlossen. Aber: Die Wohnung kann nur mit Führung besichtigt werden, und die letzte Gruppe ist seit 15.00 Uhr unterwegs. Schmale Öffnungszeiten, strenge Regelungen – schade. Wo steht das so genau? Wir hätten sie gerne gesehen, die Räume, in denen Henrik Ibsen zuletzt gelebt hat. Vielleicht im nächsten Leben.


Abendessen um 16.00 Uhr – im Café Skansen, einem gemütlichen Lokal. Ich gönne mir Muscheln, Robert nimmt Fisch – beides hervorragend. Dazu ein Flascherl (nicht ganz billigen) Weißwein. Ein Fest für den Gaumen, ein ruhiger, warmer Moment am Ende eines vollen Tages.


Die Sonne ist wiedergekommen, um den Tag in guter Erinnerung zu behalten. Die Terrasse der Wohnung will genutzt werden. Ich mache Augenlider-Pflege und die liebe Sonne wärmt mich.

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